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Roggenbrot für Anfänger: Warum Roggen anders tickt als Weizen

Von Alex6 Min. Lesezeit

⚡ Das Wichtigste in Kürze

  • Roggen bildet kaum Klebergerüst (Gluten), deshalb lässt sich Roggenteig nicht wie Weizenteig kneten und geht anders auf.
  • Roggen braucht Säure, also Sauerteig. Ohne Versäuerung wird das Brot klitschig und geht schlecht auf.
  • Roggenteig ist deutlich klebriger und weicher als Weizenteig. Das ist normal und kein Fehler, mehr Mehl ist die falsche Reaktion.
  • Für den Einstieg ist ein Roggenmischbrot mit etwas Weizen einfacher als ein reines Roggenbrot.

Wer vom Weizenbrot kommt und das erste Mal Roggen anfasst, ist meistens irritiert: Der Teig klebt wie Kaugummi, will sich nicht kneten lassen und benimmt sich komplett anders. Das liegt nicht an dir, das liegt am Roggen. Wenn du verstehst, warum er anders tickt, wird das Roggenbrot plötzlich machbar.

Roggen hat (fast) kein Gluten

Weizen lebt von seinem Klebergerüst: Beim Kneten bildet sich Gluten, das die Gärgase einschließt und dem Brot Struktur gibt. Roggen kann das kaum. Er enthält stattdessen viele Schleimstoffe (Pentosane), die Wasser binden, aber kein elastisches Gerüst bilden. Zwei Konsequenzen:

  • Kneten bringt wenig. Roggenteig wird nicht geknetet, sondern nur gründlich gemischt.
  • Die Struktur kommt woanders her, nämlich von der Säure.

Warum Roggen Sauerteig braucht

Das ist der wichtigste Punkt. Roggen muss versäuert werden, sonst funktioniert er nicht. Die Säure aus dem Sauerteig macht zweierlei: Sie sorgt dafür, dass das Brot überhaupt aufgeht und Struktur hält, und sie hält die Stärke in Schach (Stichwort Stärkeabbau), die das Brot sonst klitschig macht. Deshalb gibt es klassisches Roggenbrot praktisch immer mit Sauerteig, nicht mit reiner Hefe. Wenn du noch kein Anstellgut hast, fang mit dem Artikel Sauerteig ansetzen an, dort steht der 5-Tage-Plan.

Der klebrige Teig ist Absicht

Roggenteig ist weicher und klebriger als alles, was du von Weizen kennst. Der erste Reflex ist, Mehl nachzuschütten, bis er sich „normal" anfühlt. Tu das nicht. Damit veränderst du das Rezept und machst das Brot trocken und kompakt. Arbeite stattdessen mit nassen Händen und einem Teigschaber. Die hohe Teigausbeute ist beim Roggen normal, mehr dazu im Artikel über Bäckerprozente und Teigausbeute.

Dein erstes Roggenbrot

Für den Einstieg empfehle ich kein reines Roggenbrot, sondern ein Roggenmischbrot, zum Beispiel 60 % Roggen und 40 % Weizen. Der Weizenanteil bringt etwas Struktur und verzeiht Anfängerfehler. Welche Mehltypen du nimmst (Roggen 1150, Weizen 1050), steht im Artikel über Mehltypen.

💡 Mein Tipp

Erwarte beim Roggen keine großen, offenen Poren wie beim Weizenbrot. Eine feine, etwas feuchtere Krume ist beim Roggen genau richtig und gewollt. Und: Roggenbrot schneidest du am besten erst nach einigen Stunden an, eher noch am nächsten Tag. Es braucht länger zum Durchziehen als ein Weizenbrot.

Wenn dein erstes Roggenbrot doch mal kompakt oder klitschig wird, liegt es fast immer an zu wenig Säure oder zu frühem Anschneiden. Die typischen Stolperfallen habe ich im Artikel über die häufigsten Backfehler gesammelt.

Beste Grüße aus der Backstube,
Alex

Häufige Fragen
Warum braucht Roggenbrot Sauerteig?

Roggen bildet kaum Gluten und enthält Enzyme, die die Stärke abbauen. Die Säure aus dem Sauerteig sorgt dafür, dass das Brot Struktur bekommt und nicht klitschig wird. Mit reiner Hefe gelingt klassisches Roggenbrot kaum.

Warum ist mein Roggenteig so klebrig?

Das ist normal. Roggen bindet über Schleimstoffe viel Wasser und bildet kein festes Klebergerüst. Arbeite mit nassen Händen und Teigschaber statt Mehl nachzuschütten, sonst wird das Brot trocken.

Was ist einfacher für den Anfang, reines Roggenbrot oder Mischbrot?

Ein Roggenmischbrot mit etwas Weizen (zum Beispiel 60 zu 40) ist deutlich einfacher. Der Weizenanteil bringt Struktur und verzeiht Fehler. Reines Roggenbrot kannst du später angehen.

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Alex Pelkmann

Geschrieben von Alex

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